Donnerstag, 03. Januar 2019 um 18:00 Uhr

 

Wir befinden uns in Ulm, am Theater. Während einer Vorstellung wird Anna Bischoff, gekleidet in ihrer Rolle als Hausmädchen, gefeuert.

"Ach, mich schmerzt das am meisten", schwadroniert der Intendant, "aber deine Kunst darf hier doch nicht versauern" etc., sprich: Mit dem Ende des Vertrags tue man ihr ja letztendlich etwas Gutes.

Das Ende des Vertrags führt sie zum Arbeitsamt, Verzeihung: zum Jobcenter, wofür das Gebäude der ehemaligen HfG herhalten muss. Wo die dortige Chefin als begeisterte Theaterenthusiastin und Mitglied im Förderverein sie sogleich erkennt. Und eine super Idee hat: Wo Arbeitslose auf die Teilnahme an einem PC-Kurs warten, soll nun Anna ihnen ein bisschen Theatertricks beibringen, Körpergefühl, Sprache, ist ja auch ganz wichtig auf dem Beschäftigungsmarkt. Die Computer nämlich fehlen, und die Leute müssen aus der Statistik in eine Maßnahme outgesourct werden. Diese trübe Ausgangslage wird durch das dazu passende Ulmer Spätherbst-Wetter noch verstärkt.

Oliver Haffner stützt sich auf seine eigenen Theatererfahrungen als Regisseur; und auf seine gesellschaftlichen Beobachtungen in einem durchökonomisierten Zeitgeist. Auf angenehme Weise feiert er das Theater, die Kunst; und zwar mit sozialem und politischem Bewusstsein. Er setzt geschickt die filmischen Mittel von Schauspiel und Montage ein, mit großen Momenten, die er seinen Darstellern schenkt; und mit einigen sehr klugen Sequenzen, in denen ganz unaufdringlich der Film sozusagen mit seinen Figuren solidarisch wird, durch Blicke auf die Abseitsstehenden, auf die, die in der Szene gar keine Rolle spielen und eben doch da sind und geachtet werden wollen. Mit Drama und Witz steuert die Handlung auf das große Theater-Finale zu. Doch sehen Sie selbst!

Partner

Die ulmfilmtage finden in Verbindung mit unseren Partnern statt:

protel Film und Medien GmbH

Dietrich-Theater

Stadtarchiv Ulm

film commission Ulm

 

Radioreportage

SWR4 Radioreportage zu den Ulmfilmtagen 2014